Backofen mit Selbstreinigung: Pyrolyse, Katalyse oder Hydrolyse?

Von Sebastian Hösel · Veröffentlicht am · Wie wir arbeiten

Im Prospekt steht überall „Selbstreinigung“, doch hinter dem Wort stecken drei Verfahren, die kaum etwas miteinander gemeinsam haben: Eines verbrennt den Schmutz zu Asche, eines wirkt ständig im Hintergrund auf beschichteten Wänden, eines weicht nur ein. Wer einen Backofen kauft, entscheidet damit, wie viel Handarbeit später bleibt und was der Reinigungslauf an Strom und Vorbereitung verlangt.

Die kurze Fassung vorweg:

  • Pyrolyse reinigt den Garraum am gründlichsten, kostet aber Strom, Zeit und etwas Vorbereitung. Sie lohnt sich für alle, die oft braten, grillen und backen.
  • Katalyse (Beschichtung) kostet nichts extra und arbeitet beim normalen Heizen, schafft aber nur die beschichteten Flächen und keine Zucker- oder Eiweißreste.
  • Hydrolyse (Dampf) ist ein Einweichprogramm: Sie sparen Schrubbzeit, wischen aber selbst.
  • Ohne Selbstreinigung geht es auch, wenn der Backofen selten stark verschmutzt.

Pyrolyse: Rückstände werden zu Asche

Bei der Pyrolyse heizt der Backofen nach Angaben der Stiftung Warentest[1] auf bis zu etwa 500 Grad auf und soll den Schmutz so zu Asche verbrennen; Bosch nennt für seine Backöfen 480 °C[2]. Nach dem Abkühlen wischen Sie nur noch die Asche weg.

So läuft es ab. Die Anleitung eines Bosch-Pyrolyse-Modells[3] verlangt vorab, Zubehör und Geschirr herauszunehmen, die Gestelle auszuhängen, grobe Verschmutzungen zu entfernen und die Innenseite der Tür sowie die Ränder im Bereich der Türdichtung mit Spüllauge zu reinigen. Dann wählen Sie eine von drei Reinigungsstufen. Diese Anleitung nennt dafür etwa 1:15, 1:30 und 2:00 Stunden; die Dauer lässt sich nicht ändern. Ab einer bestimmten Temperatur verriegelt die Tür, bis der Garraum ausreichend abgekühlt ist.

Bleche, Roste und Teleskopauszüge. Dieselbe Anleitung[3] sagt klar: nie Zubehör mitreinigen. Antihaftbeschichtete Bleche und Formen werden dabei zerstört, und es entstehen giftige Gase. Ob ein Teil im Garraum bleiben darf, entscheidet allein der Hersteller: Bosch schreibt, dass einige Backbleche und Schienen der Serie 8 pyrolysegeeignet sind[4] und im Backofen bleiben können, andere sollen heraus. Bei Teleskopauszügen gibt es entsprechend eigene Ausführungen, etwa ein Paar 45 cm, das Bosch ausdrücklich „für Pyrolyse (plasmabeschichtet)“ führt[5]. Steht in der Anleitung Ihres Geräts nichts davon, gehören die Auszüge vor dem Lauf heraus.

Geruch, Rauch, Lüften. Beim Verbrennen entstehen Dämpfe. Die Bosch-Anleitung[3] warnt, dass sie die Schleimhäute reizen können: Die Küche ausgiebig lüften, nicht längere Zeit im Raum aufhalten, Kinder und Haustiere fernhalten. Und: Wenn Rauch austritt, das Gerät ausschalten und die Tür geschlossen halten, damit mögliche Flammen ersticken. Je weniger grober Dreck im Garraum liegt, desto weniger kann überhaupt qualmen.

Strom. Die Anleitung[3] nennt für den Reinigungslauf dieses Modells etwa 2,5 bis 4,8 Kilowattstunden; auf der Bosch-Ratgeberseite[2] stehen etwa 3,6 bis 4,7 kWh für den gesamten Vorgang. Das ist der Verbrauch des Reinigungslaufs. Die Zahl auf dem EU-Label bezieht sich dagegen auf einen Standard-Garzyklus[6] und sagt nichts über die Pyrolyse; beide Werte sollten Sie nicht miteinander verrechnen.

Wie oft. Die Angaben gehen auseinander. Die Anleitung[3] empfiehlt, den Garraum alle 2 bis 3 Monate so zu reinigen und bei Bedarf öfter, die Ratgeberseite desselben Herstellers[4] spricht von einer gründlichen Pyrolyse alle 6 bis 12 Monate. Richten Sie sich nach der Anleitung Ihres Geräts und nach dem, was im Garraum tatsächlich klebt.

Der Haken. Die Stiftung Warentest[1] kommt zu einem nüchternen Urteil: Auch wenn die Pyrolyse das Putzen erleichtern kann, bleibe es oft mühsam, und bei mehreren Öfen im Test falle die erhoffte Arbeitserleichterung mau aus. Alle getesteten Geräte verriegeln die Tür, einige werden außen empfindlich heiß. Gemeint ist: Nach dem Lauf bleiben Asche und manchmal weiße Beläge, die Sie von Hand entfernen. Die Bosch-Anleitung[3] rät dafür zu Zitronensäure.

Modelle mit Pyrolyse finden Sie in der Ansicht Pyrolyse. Ein Beispiel ist der Bosch Serie 6 HBG578BS3, der im Katalog mit Pyrolyse geführt ist.

Katalyse: die Beschichtung, die nebenbei arbeitet

Bei der Katalyse sitzt auf Teilen des Garraums eine saugfähige Beschichtung, die Fettspritzer aufnimmt. Neff erklärt[7] für sein Clean Coating: Die Reste oxidieren, wenn der Backofen bei Temperaturen von über 200 Grad heizt. Beschichtet sind dort Rückwand, Decke und Seitenwände. Bosch beschreibt ecoClean[4] als Spezialbeschichtung mit mikrofeinen Keramikpartikeln, die sich bei jedem Aufheizen regeneriert; Siemens führt dieselbe Idee[8] als Spezialbeschichtung, die den Reinigungsaufwand verringert.

Was sie nicht schafft. Neff[7] schreibt, dass Rückstände von Zucker und Eiweiß nicht abgebaut werden, und dass sich bei salzigen Speisen rötliche Flecken bilden können, die weder Rost noch schädlich seien. Bei hartnäckigem Schmutz sei gelegentliches Putzen von Hand nötig. Boden und Türglas gehören nicht zur beschichteten Fläche: Bosch[4] weist darauf hin, dass je nach Beschichtung nur noch Türglas oder Boden gewischt werden müssen.

Verschleiß. Eine feste Lebensdauer oder ein Austauschintervall der Beschichtung nennen die gelesenen Herstellerseiten nicht. Wohl aber, was sie beschädigt: Bosch[4] warnt, in Backöfen mit ecoClean keine Scheuerschwämme zu benutzen. Neff[7] rät davon ab, Backofenreiniger oder Scheuermittel zu verwenden, und empfiehlt regelmäßige Nutzung der Reinigungsfunktion, damit die selbstreinigenden Flächen ihre Wirkung behalten.

Hydrolyse: Dampf zum Einweichen

Hier gibt es keine einheitliche Bezeichnung. In unserem Katalog laufen solche Modelle unter „Hydrolyse“, die Hersteller nennen es anders: Siemens humidClean[8], Bosch in der Anleitung[3] „Reinigungsunterstützung“. Siemens beschreibt humidClean als Kombination aus Wasserdampf und Reinigungsmittel, die Fettspritzer und Lebensmittelrückstände löst, und ausdrücklich als Reinigungshilfe, nicht vergleichbar mit der Pyrolyse.

Der Ablauf laut Bosch-Anleitung[3]: Garraum abgekühlt, Zubehör heraus, 0,4 Liter Wasser mit einem Tropfen Spülmittel mittig auf den Boden gießen (kein destilliertes Wasser), Unterhitze bei 80 °C, Dauer 4 Minuten, danach etwa 20 Minuten abkühlen lassen. Dann wischen Sie den Garraum aus und lassen ihn vollständig trocknen, denn Feuchtigkeit über längere Zeit führe zu Korrosion. Nie Wasser in den heißen Garraum gießen.

Die Stiftung Warentest[1] merkt trocken an, dass in einer Mulde am Boden Wasser verdampfen soll, um Krusten aufzuweichen, und dass eine Schüssel mit Wasser im Ofen es auch tue. Ein Beispiel für ein Modell mit dieser Funktion ist der Bosch Serie 4 HBA514BS3.

Ohne Selbstreinigung: Emaille und Handarbeit

Ein Backofen ganz ohne eines der drei Systeme, etwa der Siemens iQ100 HB510ABR1, hat glatte Emailleflächen, die Sie ausschließlich von Hand reinigen. Die Bosch-Anleitung[3] beschreibt es kurz: Bei starker Verschmutzung einweichen, mit Bürste oder Edelstahlspirale arbeiten, danach die Tür geöffnet lassen, damit der Garraum trocknet. Mehr als dieser Hinweis gehört hier nicht hin; wie Sie hartnäckige Krusten am besten lösen, ist ein eigenes Thema.

Die drei Systeme im Vergleich

PyrolyseKatalyseHydrolyse / Dampf
Arbeitsweiseverbrennt Rückstände zu AscheBeschichtung nimmt Fett auf und baut es beim Heizen abDampf weicht Verschmutzungen ein
Temperatur laut Hersteller480 °C (Bosch), bis etwa 500 °C (Stiftung Warentest[1])über 200 °C (Neff)80 °C Unterhitze (Bosch-Anleitung)
DauerStufen von etwa 1:15 bis 2:00 Stunden (Bosch-Anleitung)läuft beim normalen Backen mit4 Minuten plus etwa 20 Minuten Abkühlen (Bosch-Anleitung)
Zusatzstrometwa 2,5 bis 4,8 kWh je Lauf (Bosch-Anleitung)keinerje nach Modell, kein Herstellerwert gefunden
VorbereitungZubehör raus, Gestelle aushängen, Grobes entfernennichts, nie Scheuermittel auf der BeschichtungWasser mit Spülmittel auf den Boden
DanachAsche auswischengelegentlich von Hand nachputzenauswischen und trocknen lassen
GrenzenHitze außen, Dämpfe, Zubehör muss oft herausZucker und Eiweiß bleiben, Boden und Tür nicht beschichtetnur Einweichen, kein Ersatz für die Pyrolyse
Reinigungstemperaturen der drei Systeme Waagerechte Balken von 0 bis 500 Grad Celsius: Pyrolyse 480 Grad (Bosch), Katalyse ab über 200 Grad (Neff, Untergrenze), Dampfreinigung 80 Grad (Bosch-Anleitung). Pyrolyse Katalyse Dampf 480 °C über 200 °C 80 °C 0 200 400 500 °C

Temperaturen laut Herstellerangaben (Bosch, Neff); der Balken der Katalyse zeigt nur die genannte Untergrenze.

Welches System für wen?

  • Sie backen und braten mehrmals pro Woche, oft mit Grill oder Schmorgerichten. Hier ist die Pyrolyse am bequemsten, weil sie den ganzen Garraum erfasst. Rechnen Sie den Reinigungsstrom und die Vorbereitung ein, und planen Sie die Läufe für Zeiten, in denen jemand lüften kann.
  • Sie backen eher gelegentlich. Dann reicht oft Hydrolyse oder ein einfacher Emaille-Garraum; eine Pyrolyse läuft selten und lohnt den Aufpreis kaum. Dass ein Backofen mit Pyrolyse mehr kostet als einer ohne, schreibt auch Bosch[2].
  • Sie wollen keinen Reinigungslauf starten müssen. Die Katalyse arbeitet nebenbei, aber nur an Rückwand, Decke und Seiten; Boden und Tür bleiben Handarbeit.
  • Sie haben kleine Kinder oder Haustiere im Haushalt. Planen Sie die Pyrolyse so, dass Kinder und Tiere nicht in der Küche sind, wie es die Anleitung verlangt, oder wählen Sie ein anderes System.
  • Teleskopauszüge sind Ihnen wichtig. Prüfen Sie, ob Ihr Modell pyrolysegeeignete Auszüge hat; sonst heißt es vor jedem Lauf aus- und danach wieder einbauen.

Sicherheit: was die Hersteller verlangen

Die Punkte stammen aus der Bosch-Anleitung[3]; in der Anleitung Ihres Geräts stehen die für Ihr Modell.

  • Vor der Pyrolyse grobe Verschmutzungen entfernen; lose Speisereste, Fett und Bratensaft können sich entzünden.
  • Nie Geschirrtücher oder andere brennbare Dinge an den Türgriff hängen; die Vorderseite frei halten.
  • Die Tür wird außen sehr heiß und verriegelt. Nicht berühren, nicht öffnen, Kinder fernhalten.
  • Ausgiebig lüften, nicht länger im Raum aufhalten, Kinder und Haustiere fernhalten.
  • Bei Rauch: ausschalten, Tür geschlossen lassen.
  • Die Türdichtung nicht scheuern und nicht abnehmen; mit beschädigter Dichtung nie betreiben.
  • Nie Wasser in einen heißen Garraum gießen, auch nicht bei der Dampfreinigung.

Praktische Tipps

  1. Wischen Sie vor der Pyrolyse grobe Reste aus, sonst qualmt es mehr und der Lauf bringt weniger.
  2. Nehmen Sie Zubehör heraus, außer Ihre Anleitung nennt es ausdrücklich pyrolysegeeignet.
  3. Reinigen Sie vorher die Türinnenseite und die Ränder um die Dichtung, wie es die Bosch-Anleitung[3] beschreibt.
  4. Lüften Sie vor, während und nach dem Lauf.
  5. Entfernen Sie nach dem Abkühlen die Asche und weiße Beläge, bevor Sie den Garraum wieder benutzen.
  6. Bei Katalyse: nie Scheuerschwamm oder Backofenreiniger auf die beschichteten Flächen.

Wer nach einem Gerät sucht, vergleicht am besten in der Ansicht Pyrolyse; welche Reinigung ein Modell hat, steht in den Merkmalen. Ein Backofen ohne Selbstreinigung ist keine schlechtere Wahl, wenn Sie ihn selten stark verschmutzen.

Quellen

  1. ↑ a b c d Stiftung Warentest: Backöfen im Test (test.de)
  2. ↑ a b c Bosch: Selbstreinigende Backöfen (bosch-home.com)
  3. ↑ a b c d e f g h i j k Bosch: Gebrauchs- und Montageanleitung Einbaubackofen HBG.78B.3 (Dok. 9001932503) (media3.bsh-group.com)
  4. ↑ a b c d e Bosch: Backofenreinigung mit ecoClean und Pyrolyse (bosch-home.com)
  5. ↑ Bosch: Teleskopauszug 1-fach Paar, 45 cm, für Pyrolyse (Zubehör 00577566) (bosch-home.com)
  6. ↑ Delegierte Verordnung (EU) Nr. 65/2014 zur Energieverbrauchskennzeichnung von Haushaltsbacköfen und -dunstabzugshauben (eur-lex.europa.eu)
  7. ↑ a b c Neff: Clean Coating (Katalyse) im Backofen (neff-home.com)
  8. ↑ a b Siemens: Selbstreinigungsfunktionen im Backofen (siemens-home.bsh-group.com)

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