Backofen kaufen: Worauf Sie bei Einbau und Ausstattung achten
Von Sebastian Hösel · Veröffentlicht am · Wie wir arbeiten
Wer einen Backofen kaufen will, vergleicht meist zuerst Ausstattung und Preis. Sinnvoller ist die umgekehrte Reihenfolge: Erst klären, wo und wie das Gerät eingebaut wird, dann, was es können soll. Eine Pyrolyse oder ein Bratenthermometer nützen wenig, wenn das Gerät nicht in die Nische passt oder zum vorhandenen Kochfeld nicht kompatibel ist. Dieser Ratgeber geht die Entscheidung in der Reihenfolge durch, in der sie sich am wenigsten rächt.
Die Herstellerangaben stammen aus Anleitungen und Herstellerseiten, die jeweils verlinkt sind. Maßgeblich bleibt immer die Anleitung zu Ihrem Modell.
Die Kurzfassung
- Einbausituation zuerst: Unterbau oder Hochschrank, 60 oder 45 cm Einbauhöhe. Gemessen wird die Nische, nicht das Gerät.
- Autark oder Herd: Ein Herd steuert das Kochfeld mit und wird zusammen mit ihm gewählt. Ein autarker Backofen lässt sich unabhängig vom Kochfeld planen.
- Garraum und Ebenen: Das Volumen steht im Datenblatt und auf dem Energielabel; wie viele Ebenen sich nutzen lassen, hängt von der Heizart ab.
- Reinigung: Pyrolyse ist die gründlichste Lösung, aber keine Garantie für wenig Putzarbeit. Mehr dazu im eigenen Ratgeber.
- Ausstattung: Auszüge, Fühler und Dampf sind Komfort mit Haken; prüfen Sie, was bei Ihrem Modell wirklich dabei ist.
- Energielabel: Der Wert gilt pro Garvorgang und sagt nichts über den Reinigungslauf.
- Anschluss: Stecker oder festes Kabel entscheidet, wer das Gerät anschließen darf.
Einbausituation: Unterbau oder Hochschrank
Ein Backofen sitzt entweder unter der Arbeitsplatte oder in einem Hochschrank. Beides geht nach Bosch[1] bei einem Backofen, während ein Herd unter dem Kochfeld sitzt. Für beide Varianten verlangt die Montageanleitung eines Siemens-Kompaktgeräts[2] das Gleiche: Die Zwischenböden brauchen einen Lüftungsausschnitt, das Gerät darf nicht hinter einer Dekor- oder Möbeltür sitzen, und die Einbaumöbel müssen bis 95 °C temperaturbeständig sein, angrenzende Möbelfronten bis 70 °C.
Zwei Dinge unterscheiden die Varianten:
- Unterbau: Dieselbe Anleitung[2] nennt eine Arbeitsplattentiefe von mindestens 600 mm und verlangt, die Arbeitsplatte am Einbaumöbel zu befestigen. Sitzt ein Kochfeld darüber, gelten Mindestmaße, die je nach Kochfeldart (Induktion, Gas, Elektro, aufgesetzt oder flächenbündig) in einer Tabelle stehen und die Mindeststärke der Arbeitsplatte bestimmen.
- Hochschrank: Das Gerät soll laut Anleitung[2] nur so hoch eingebaut werden, dass sich das Zubehör problemlos entnehmen lässt. Planen Sie die Höhe der Nische also nach dem Zubehör, das Sie täglich herausnehmen.
Im Hochschrank sitzt oft noch ein zweites Gerät. Zwei Geräte übereinander sind nach der Siemens-Anleitung[2] möglich, brauchen aber für die Belüftung eine Öffnung von mindestens 200 cm² im Sockelbereich. Welche Nischenmaße eine Mikrowelle über oder unter dem Backofen braucht, steht im Ratgeber Einbau-Mikrowelle: Nischenmaße.
60 oder 45 cm: Standard oder Kompaktbackofen
Ein Standardbackofen hat die Einbaugröße 60 cm. Ein Kompaktbackofen ist nach Bosch[1] 45 cm hoch und eignet sich besonders für den Hochschrank. Er kann einen Backofen ersetzen oder ergänzen, auch in der Ausführung mit integrierter Mikrowelle. Bosch[1] rechnet vor: In eine 60 cm hohe Nische passt ein 45 cm hoher Kompaktbackofen mit einer 14 cm hohen Wärmeschublade.
Maßangaben nach Bosch[1]; Zeichnung im Maßstab 4 Pixel je Zentimeter, ohne Fugen und Blenden.
Ob der Kompaktbackofen reicht, ist eine Frage der Kochgewohnheiten: Bei 45 statt 60 cm Einbauhöhe bleibt weniger Platz für den Garraum. Wie viel, steht im Datenblatt des Modells. Ein Beispiel aus dem Katalog ist der Siemens iQ700 CB734G1B1, ein Kompaktbackofen für die 45-cm-Nische. Alle Backöfen im Überblick finden Sie in der Kategorie Backöfen.
Nische messen, nicht das Gerät
Verlassen Sie sich bei den Maßen nicht auf die Außenmaße im Prospekt. Bosch[1] rät, vor dem Kauf die Maßzeichnung des Geräts mit Höhe, Breite und Tiefe zu prüfen. Wie weit die Zahlen auseinanderliegen können, zeigt die Herstellerseite des Siemens iQ700 CM724G1B1[3]: Sie nennt als Gerätebreite 594 mm, als empfohlene Nische aber eine Breite von 560 bis 568 mm. Maßgeblich ist die Montageanleitung Ihres Modells, denn die Maße stehen dort als Zeichnung.
Autark oder Herd: wer steuert das Kochfeld?
Diese Entscheidung bestimmt, wie frei Sie später tauschen können.
- Autarker Backofen: Er ist an kein bestimmtes Kochfeld gebunden, das Kochfeld lässt sich unabhängig platzieren (Bosch[1]). Das ist die flexible Wahl, besonders in Küchen mit Kochinsel oder Hochschrank.
- Herd (herdgebundenes Kochfeld): Der Herd sitzt unter dem Kochfeld und steuert es. Beim Austausch muss er laut Bosch[1] zum Kochfeld passen. Ob ein neuer Herd mit einem vorhandenen Kochfeld zusammenpasst, sollten Sie beim Fachhändler erfragen.
Die Regel daraus: Backofen und Kochfeld gemeinsam wählen, wenn es ein Herdset sein soll. Wer später Herd oder Kochfeld tauscht, muss darauf achten, dass beide wieder zusammenpassen. Wie sich Induktion und Glaskeramik beim Kochfeld unterscheiden, ist ein eigenes Thema. Die Kaufreihenfolge über alle Küchengeräte hinweg lautet im Zweifel: erst Nische und Anschlüsse, dann Backofen und Kochfeld, zuletzt die Dunstabzugshaube; Letztere behandelt der Ratgeber Dunstabzugshaube: Umluft oder Abluft.
Garraum und Einschubebenen
Das Garraumvolumen in Litern steht im Datenblatt und, wie die Verbraucherzentrale[4] beschreibt, auch auf dem Energielabel. Die Zahl allein sagt aber wenig: Nutzbar ist der Garraum nur so weit, wie sich Blech und Rost einschieben lassen. Wie viele Ebenen Sie wirklich nutzen, hängt von der Heizart ab. Siemens[5] führt 3D-Heißluft für Backen und Schmoren auf bis zu drei Ebenen, Ober-/Unterhitze dagegen für das Garen auf einer Ebene. Wer oft Kekse auf zwei Blechen backt, achtet also auf eine gute Heißluft und auf ein Gestell mit mehreren Einschubebenen.
Beheizungsarten kurz erklärt
Die Hersteller benennen die Heizarten unterschiedlich, die Idee dahinter ist dieselbe. Die Beschreibungen in der Tabelle stammen von Siemens[5]; andere Marken führen eigene Namen für ähnliche Funktionen.
| Heizart | Wofür sie gedacht ist |
|---|---|
| Ober-/Unterhitze | Garen ausgewählter Speisen auf einer Ebene, Hitze von oben und unten |
| 3D-Heißluft | Backen und Schmoren trockener Gerichte auf bis zu drei Ebenen |
| Thermogrill (Umluftgrill) | Braten größerer Fleischstücke, Geflügel und ganzer Fische |
| Großflächengrill | Grillen flachen Grillguts wie Steaks, Würstchen, Brot; Gratinieren |
| Unterhitze | Einkochen, Nachbacken und Nachbräunen |
| Pizzastufe | Pizza und Speisen, die viel Wärme von unten brauchen |
Nach der Verbraucherzentrale[4] lässt sich mit Umluft bzw. Heißluft 20 bis 30 Grad niedriger backen als mit Ober-/Unterhitze, und das auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Eine Übersicht über die Symbole auf dem Bedienfeld folgt in einem eigenen Ratgeber.
Reinigung: Pyrolyse, Hydrolyse oder von Hand
Kurz zusammengefasst: Pyrolyse heizt den Garraum nach der Stiftung Warentest[6] auf bis zu etwa 500 Grad auf, und doch bleibt das Putzen oft mühsam. Hydrolyse weicht Verschmutzungen mit Dampf ein, ersetzt das Wischen aber nicht. Ein Backofen ganz ohne Selbstreinigung ist keine schlechte Wahl, wenn er selten stark verschmutzt. Wie die Verfahren ablaufen, was sie an Strom kosten und wo ihre Grenzen liegen, steht im Ratgeber Pyrolyse, Katalyse oder Hydrolyse. Für einen Backofen mit Pyrolyse in der 60-cm-Nische ist der Bosch Serie 6 HBG578BS3 ein Beispiel; weitere Modelle zeigt die Ansicht Pyrolyse.
Ausstattung: was zählt, was nur nett ist
Hier lohnt es, nach dem Alltag zu entscheiden und nicht nach der Länge der Funktionsliste.
Teleskopauszüge. Sie ziehen Blech oder Rost aus dem Garraum, ohne dass das Backgeschirr kippt. So beschreibt es Bosch[7] für ein Set mit Auszügen auf den Ebenen 1, 2 und 3. Dasselbe Datenblatt nennt Grenzen: Das Zubehör passt in einen Backofen mit 60 cm, nicht in einen mit Backwagen, und es ist nicht für den reinen Mikrowellenbetrieb geeignet. Bei Siemens[8] gibt es Auszüge für eine oder mehrere Ebenen, und manche Sätze sind ausdrücklich nicht pyrolysegeeignet. Bei den Backöfen im Katalog gehören Auszüge nicht zum Lieferumfang; das Datenblatt des Bosch HBG578BS3[9] etwa führt sie als Zubehör und den Auszug als nachrüstbar. Klären Sie vor dem Kauf, ob ein Satz für Ihr Gerät und für die Pyrolyse zugelassen ist.
Versenkbare Tür. NEFF[10] bietet mit Slide&Hide® eine Tür, die in einem Schwung in das Gehäuse des Backofens gleitet. Nach NEFF[10] ist der Garraum genauso groß wie bei einer Klapptür, und die Funktion gibt es nur von diesem Hersteller.
Kerntemperaturfühler. Ein Fühler im Braten spart das Raten. Siemens[11] bietet ihn als kabelloses Zubehör an, das die Temperatur an vier Punkten misst und per App meldet; bei verbundenen Backöfen dieses Herstellers schaltet das Gerät dann automatisch ab. Ob Ihr Modell einen eigenen Fühler mitbringt oder ihn nur als Zubehör kennt, steht in den Merkmalen.
Dampf. Hier gibt es drei sehr verschiedene Geräteklassen. Ein Backofen mit Dampffunktion ergänzt das normale Backen um Dampfstöße und eignet sich nach Siemens[12] besonders für Brot oder saftigen Braten. Ein Dampfbackofen kombiniert Dampfgarer und Backofen, läuft laut Siemens[12] mit Wassertank oder Festwasseranschluss, heizt bis 250 Grad und dampft bei bis zu 120 °C. Ein reiner Dampfgarer hat keine normalen Heizarten. Wer nur gelegentlich Brot backt, kommt mit einem Backofen mit Dampfstoß aus, etwa dem Siemens iQ700 HR776G1B1.
Mikrowellenfunktion. Kombigeräte verbinden Backofen und Mikrowelle in einem Gehäuse. Beim Siemens iQ700 CM724G1B1 nennt der Hersteller als Heizarten, die sich mit der Mikrowelle kombinieren lassen, Großflächengrill, Kleinflächengrill, Ober-/Unterhitze, Umluftgrill und Umluft. Die Höchstleistung wird laut Fußnote auf der Herstellerseite[3] bei längerem Betrieb reguliert. Das spart im Hochschrank ein zweites Gerät.
WLAN und App. Bei vernetzten Geräten läuft die Steuerung über Home Connect. Nach der Herstellerseite[3] brauchen einige Funktionen eine Internetverbindung und ein Benutzerkonto, und der Hersteller liefert von Zeit zu Zeit Aktualisierungen. Prüfen Sie vor dem Kauf, welche Funktionen ohne App und Konto auskommen.
Energielabel: Wert pro Garvorgang
Backöfen tragen das Label der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 65/2014[13]. Wie die Verbraucherzentrale[4] beschreibt, nennt es den Verbrauch in kWh pro standardisiertem Garvorgang, getrennt für Ober-/Unterhitze und für Umluft, außerdem das Garraumvolumen in Litern. Drei Punkte sind wichtig:
- Es sind zwei Werte, keine eine Zahl. Vergleichen Sie Ober-/Unterhitze mit Ober-/Unterhitze und Umluft mit Umluft.
- Ein Kompaktbackofen und ein großer Backofen können nach der Verbraucherzentrale[4] dieselbe Klasse tragen und trotzdem unterschiedlich viel verbrauchen, weil der Garraum unterschiedlich groß ist. Der kWh-Wert zählt mehr als der Buchstabe.
- Der Reinigungslauf steht nicht auf dem Label. Die Pyrolyse verbraucht zusätzlich Strom; nach der Verbraucherzentrale[4] ist sie aus energetischer Sicht nicht zu empfehlen. Beide Zahlen sollten Sie nicht miteinander verrechnen.
Den Wert pro Garvorgang rechnen wir bewusst nicht auf ein Jahr hoch, denn das bräuchte eine erfundene Zahl von Backvorgängen. Die Labelwerte der Modelle im Katalog stehen auf der Seite Daten.
Anschluss: Stecker oder festes Kabel
Hier sagen die Hersteller nur wenig, aber Wichtiges. Nach der Siemens-Anleitung[2] darf ein Gerät mit Schutzkontakt-Stecker nur an eine vorschriftsmäßig installierte Schutzkontakt-Steckdose; Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosenleisten sind verboten. Ein Gerät ohne Stecker darf nur konzessioniertes Fachpersonal anschließen, und die Spannung steht auf dem Typenschild. Auch Bosch[1] schreibt, dass Backöfen anschlussbereit sind, aber eine separate Sicherung brauchen, und dass ein Herd von einer Elektrofachkraft direkt an den Starkstrom angeschlossen werden muss. Die Stiftung Warentest[6] fand bei den meisten geprüften Modellen einen Stecker und nennt 3.600 Watt als Obergrenze der Gesamtleistung, die kein getestetes Gerät überschritt.
Ist das Kabel zu kurz, heißt es in der Anleitung[2], einen Elektrofachbetrieb zu rufen, nicht ein Verlängerungskabel zu stecken. Das Reparaturverzeichnis unserer Schwesterseite, suchbar nach Postleitzahl, listet Betriebe, die Waschmaschinen reparieren; fragen Sie dort nach, ob ein Betrieb auch Einbaubacköfen übernimmt. Ein Anschluss an Starkstrom bleibt Sache der Elektrofachkraft.
Checkliste vor dem Kauf
- Nische ausmessen und mit der Maßzeichnung des Modells vergleichen, Lüftungsausschnitt und Möbeltemperatur nicht vergessen.
- Unterbau oder Hochschrank, 60 oder 45 cm Einbauhöhe festlegen.
- Autarker Backofen oder Herd mit herdgebundenem Kochfeld entscheiden, Kochfeld und Backofen gemeinsam wählen.
- Garraumvolumen und nutzbare Einschubebenen prüfen.
- Die Heizarten nach dem eigenen Kochen aussuchen: Umluft, Grill, Pizzastufe.
- Selbstreinigung festlegen: Pyrolyse, Hydrolyse oder von Hand.
- Auszüge, Kerntemperaturfühler, Dampf, Mikrowelle, App: nur, was Sie nutzen werden.
- Label ansehen: kWh pro Garvorgang, getrennt für Ober-/Unterhitze und Umluft.
- Anschluss klären: Stecker oder festes Kabel, Sicherung, wer das Gerät einbaut.
Wer vergleichen will, startet in der Kategorie Backöfen oder in der Vergleichsansicht.
Quellen
- ↑ a b c d e f g h Bosch: Herd, Backofen und Kompaktbackofen, Einbau und Anschluss (bosch-home.com)
- ↑ a b c d e f Siemens: Gebrauchs- und Montageanleitung iQ700 CB734G1.1 (Dok. 9002038972) (media3.bsh-group.com)
- ↑ a b c Siemens: iQ700 CM724G1B1, Einbau-Backofen mit Mikrowelle (siemens-home.bsh-group.com)
- ↑ a b c d e Verbraucherzentrale: Backofen, darauf sollten Sie bei Kauf und Nutzung achten (verbraucherzentrale.de)
- ↑ a b Siemens: Backofensymbole und Heizarten (siemens-home.bsh-group.com)
- ↑ a b Stiftung Warentest: Backöfen im Test (test.de)
- ↑ Bosch: Datenblatt Teleskopauszug 3-fach HEZ438301 (media3.bsh-group.com)
- ↑ Siemens: Teleskopauszüge für Backöfen (Zubehör) (siemens-home.bsh-group.com)
- ↑ Bosch: Datenblatt Einbaubackofen HBG578BS3 (media3.bsh-group.com)
- ↑ a b NEFF: Slide & Hide, die voll versenkbare Backofentür (neff-home.com)
- ↑ Siemens: Drahtloses Bratenthermometer roastingSensor (siemens-home.bsh-group.com)
- ↑ a b Siemens: Backöfen mit Dampf, die Unterschiede (siemens-home.bsh-group.com)
- ↑ Delegierte Verordnung (EU) Nr. 65/2014 zur Energieverbrauchskennzeichnung von Haushaltsbacköfen und -dunstabzugshauben (eur-lex.europa.eu)